Wie laufe ich bequem mit Pfennigabsätzen? Interview mit HEELBOPPS-Erfinderin Katharina Hermes. Sie verrät, wie Heelbopps funktionieren, und erzählt ihre Erfolgsgeschichte.

JOURNAL FRANKFURT: Viele Menschen kennen das Problem: Pfennigabsätze sehen zwar schick aus, sind aber leider sehr unbequem. Heelbopps sollen das ändern. Frau Hermes, was ist ein Heelbopp und wie genau funktioniert er? KATHARINA HERMES: Das Problem mit den Pfennigabsätzen ist folgendes: Je höher und dün- ner der Absatz, umso mehr Gewicht lagert auf den Fußballen und den Fußspitzen. Es kann kaum Gewicht auf die Ferse verlagert werden, und das führt schnell zu unangenehmen Schmerzen. Der Trick bei den Heelbopps ist, die Auftrittsfläche zu verbreitern und somit den Vorderfuß zu entlasten. Man muss also nicht mehr auf den Zehenspitzen tippeln. Wichtig ist dabei, dass der Schuh nur im Fußmittelpunkt vergrößert, nicht aber die Schuhsymmetrie ver- ändert wird.

Wie wendet man Heelbopps in der Praxis an?

Die Aufsteck-Absätze können universell auf alle Pfennigabsätze bis zu 1,3 Zentimetern Durch- messer aufgesteckt werden. Die Heelbopps gibt es für drei verschiedene Absatzformen in den drei Größen 9, 5 und 3 Zentimeter. Man steckt sie einfach auf den Pfennigabsatz auf, und los geht’s. Wir liefern aber auch Gummis mit, die vor dem Aufstecken um den Absatz gewickelt werden kön- nen, falls die Absatzform doch mal abweicht. Bei empfindlichen Materialen wie Lack oder feinem Leder empfiehlt es sich, transparentes Klebeband oder Cellophan-Papier um den Absatz zu wickeln, um diesen beim Aufsetzen der Heelbopps nicht zu beschädigen. Mit Heelbopps werden Stilettos zum richtigen Hingucker und Trägerinnen und Träger können elegant über unebene Böden wie Kopfsteinpflaster oder Wiesen laufen.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich hatte immer schon ein großes Interesse an Mode. In London und Mailand habe ich Mode- design studiert und bereits mit 16 Jahren mein erstes Unternehmen gegründet. Damals habe ich in New York Handtaschen, deren Henkel austauschbar sind, designt und verkauft. Es war also immer schon mein Ding, existierende Sachen aufzuwerten und zu verbessern. In den Modeme- tropolen laufen alle Frauen in Stilettos rum. Da ist mir dann zum ersten Mal aufgefallen, dass fast alle Frauen ein zweites Paar Schuhe in der Hand- tasche mit sich tragen, nämlich bequeme Turn- schuhe. Jede Frau weiß, wie unbequem ein Stilet- to nach wenigen Stunden am Fuß wird. Die Option, ein zweites Paar Schuhe mit mir herum- zutragen, war für mich nie eine Lösung. High Heels sind für mich die besten Schuhe, die einfach zu jedem Outfit passen. Leider bleibt man mit High Heels auf unebenem Boden schnell stecken, und ich habe mir meine schönen Schuhe oft ru- iniert. So kam mir dann der Gedanke: Hier muss etwas her, das meine Stilettos stabilisiert, schützt und gleichzeitig schmückt.

Und dann ist aus einer Idee ein Start-up- Unternehmen geworden?
Ich habe mit deutschen Ingenieuren zwei Jahre lang meine Produktidee vorentwickelt. Ich woll- te vermeiden, dass die Produktion zu teuer wird. Das hätte durch die verschiedenen Formen für den Guss nämlich schnell passieren können. 2013 waren meine ersten Produkte fertig, und ich habe im Zuge dessen das Start-up-Unternehmen ge- gründet. Zu Beginn habe ich nur wenige Kundin- nen mit meinen Heelbopps ausgestattet. So rich- tig fertig war alles erst 2015, da waren dann auch die kleinen Kinderkrankheiten ausgemerzt. Auf der Fashion Week in Berlin habe ich die Heel- bopps erstmals gelauncht. Die Leute haben mir daraufhin den Laden eingerannt. Das große In- teresse hat mir bestätigt, dass nicht nur der Kom- fort, sondern auch das Styling gefragt ist.

Kreieren Sie die Designs Ihrer Heelbopps selbst?
Ich kreiere die Designs selbst und habe mittler- weile sehr viele Variationen und Kollektionen. Es gibt aber auch einige Stammkundinnen und -kunden, die mir ihr Leder und ihre Vorstellun- gen zusenden, und ich stelle nach ihren Wün- schen individuelle Heelbopps her. Mein bisher außergewöhnlichstes Design sind die Mercury Heelbopps, mit Federn und Perlen besetzt.

Wie weit verbreitet sind Ihre Heelbopps mitt- lerweile?
International haben sie sich durch den Online- Shop und die Sozialen Netzwerke sehr schnell verbreitet. Bisher waren die Heelbopps aber eher in hochwertigen Boutiquen mit Marken wie Valentino oder Jimmy Choo zu finden. Für die breite Masse müsste ich mehr Marketing betrei- ben. Auf dem deutschen Markt hat mir mein Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ sehr gehol- fen. Wir hatten plötzlich an einem Tag 1,7 Mil- lionen Besucherinnen und Besucher auf unserer Website und ununterbrochene Bestellungen im Online-Shop.

In welche Richtung wird sich der Trend, Ihrer Meinung nach, entwickeln? Flache Sneakers oder hohe Stilettos?
Mehr Frauen sollten Stilettos tragen – sie machen einfach ein schöneres Bein und verbessern jedes Outfit! Mit meinen Heelbopps sind sie auch für längere Zeit bequem tragbar und daher vermute ich wird der Stiletto Trend wieder kommen.